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Ein Musical entsteht in Zahlen
am 25. April ist es endlich soweit und Odysseus das Musical kommt auf die Bühne. Das Theater Markt Schwaben ist Gastgeber der Weltpremiere. Doch bevor Odysseus seine Irrfahrt vor Publikum antreten darf, gab es unzählige kleinere und größere Hindernisse zu bewältigen – eine kleine Odyssee für sich.
14 Jahre von der Idee zum fertigen Musical
2011 hatte Michaela, unsere Skriptautorin und unermütlich treibende Kraft, am Strand bei Nafplio Griechenland die erste Idee für „Odysseus – das Musical“. Von der ersten Skriptfassung bis die Songtexterin Eva ins Boot kam, vergingen sechs Jahre. Erste Liederzeilen wurden aufs Papier gebracht, doch ohne Musik hatten Odysseus und seine Männer zwar einen Text, doch keine Stimme. Komponisten mag es viele geben, doch ein Komponist, der die griechische Seele des antiken Mythos in zauberhafte und glaubwürdige Melodien weben kann, diese Suche war spannend, wie Odysseus Suche zurück nach Hause. So dauerte es weitere drei Jahre bis das Kreativ-Team komplett war und Minas als Komponist mit auf die Reise ging.

4 Jahre Komposition, Skriptbearbeitung und Songtexten.
Fast vier Jahre arbeitete das Trio am Musical bis die letzte Note komponiert und die letzte Zeile gedichtet war. In der Kaffee-Zeitrechnung entspricht das in etwa 500 Cappucchinos, davon ein Drittel mit Hafermilch. Jetzt begann die Zeit des Planens, wie unser Held auf die Bühne gebracht werden könnte. Verbindungen zu Musikschulen und Theatervereinen, Musicalakademien und befreundeten Musikern lotsten uns immer mehr zur Idee, das Stück selbst auf die Bühne zu bringen. Ein Mammutprojekt nahm Fahrt auf.
22 Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne
Es ist etwas ganz anderes, ein Musical auf dem Papier zu kreieren, als es in die Tat umzusetzen. Während unserer vier Jahre kreativer Arbeit sangen und tanzten unsere Figuren auf einer großen Bühne, wie man sie im Deutschen Theater findet. Lichteffekte und Regieanweisungen waren uns völlig klar, wir diskutierten und planten, wie alles auszusehen hatte. Im Kopf war unser Musical bereits fix und fertig.
Über 70 Charaktere mussten in der Realität nun auf ein Ensemble angepasst werden. Welche Doppel oder Dreifachrollen konnte man besetzen. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich eine optimale Cast von 22 Darstellerinnen und Darstellern heraus, die jeweils mehrere Rollen gleichzeitig übernehmen. Ein Beispiel: Die Darstellerin der Palastdienerin Efthimi schlüpft mit mehreren Kostümwechseln auch in die Rollen eines Kinds in Troja, einer Dienerin der Circe, eines Windwesend, eines Meerwesens sowie einer Toten im Hades.
30-köpfiges Ensemble
Über Instagram und Theaterplattformen sowie „Weitersagen“ im Team casteten wir in Summe 30 Darstellerinnen und Darsteller. Verschiedene Rollen sind damit doppelt besetzt. Jules kam als Choreograf mit ins Team und kreierte auf einige der Songs mitreißende Choreografien. Die Dienerinnen der Circe sind seither mit Federfächern versehen, die lebendig gewordenen Inkarnationen der Zauberin.


Michaela übernahm die Rolle der Regisseurin. Bereits früher hatte sie in einer Musical Company diese Rolle innegehabt. Hatte sie in der Vergangenheit die Werke anderer angeleitet, so haucht sie seit 2024 den Figuren des eigenen Werkes Leben und Persönlichkeit ein.
Während sich unser Ensemble jeden Sonntag (und immer wieder zusätzlich unter der Woche) in das Stück einarbeitet und probte, liefen auch hinter den Kulissen die Arbeiten auf Hochtouren.

22 Hauptsongs
Das Musical besteht aus 22 Hauptsongs sowie mehreren Reprisen. Für all diese Stücke existierten nach den vier Jahren Arbeit zwar die Noten, jedoch keine Orchesterfassung, wie man sie auf der Bühne benötigt – die Seele war da, aber es fehlte der Körper. Ein Orchester zu engagieren, um das komplette Musical einzuspielen hätte den Budgetrahmen gesprengt. Also arbeitete Minas nicht nur als musikalischer Leiter, sondern dirigiert sein eigenes Orchester am PC. Aus Noten werden Melodien, die das gesamte Team begeistern und ein 40-köpfiges Synphonie Orchester vor Augen oder besser vor die Ohren führen.
74 Charaktere und ihre Kostüme
74 Charaktere wollen eingekleidet werden. Die Mode Griechenlands vor 3300 Jahren war bunt. Wandzeichnungen aus archäologischen Fundstätten zeigen die Farbenfreude der Zeit, von der Homer berichtet. Auch zeugen Funde vom üppigem Schmuck der oberen Klasse. Künstlerische Freiheit und moderne Anpassungen seien erlaubt, doch der Charakter dieser Zeit spiegelt sich auch in den Kostümen wieder. Kleider, Röcke, Tuniken, Chlamys (Umhang), Kopfbedeckungen, Rüstungen, Gürtel, Schuhe, Blusen, Schmuck, Haarbänder und vieles mehr müssen besorgt, genäht, umgearbeitet, neu kombiniert, angemalt, bestickt, gefärbt und – und – und… werden. Eva (eigentlich die Songtexterin) übernimmt die Bereiche Kostüm und Requsite und näht bis die Nähmaschine qualmt. Unterstützt wird sie bei den Kostümen rund um Poseidon und Aiolos von den Kostümbildnerinnen Steffi und Theresa, die ihre Erfahrung und Kunstfertigkeit aus ihrer Arbeit an Residenz- und Nationaltheater einbringen. 20 Stunden arbeitet Steffi alleine an der Krone des Poseidon.

3 Rollen – 1 Person?
Zwar schlüpfen unsere Sängerinnen und Sänger in mehrere Rollen, aber jede Rolle lebt vom eigenen Charakter, der sich auch im Äußeren zeigt. Alleine mit Kostüm ist es hier nicht getan. Katrin unsere Maskenbildnerin hat sich der Aufgabe verschrieben, die Persönlichkeit von bösen Freiern oder mystischen Meerwesen auf der Bühne noch klarer herauszuarbeiten. Unter ihrer kreativen Energie erhält der Zyklop sein Auge, Poseidon einen wilden Bart. Die Meerwesen wandeln sich zu einer Mischung aus griechischer Statue und Fisch.
115 Requisiten, 5 Podeste, 1 Mast

Ein Krieger ohne Schwert? Eine Trinkszene ohne Karaffen und Becher? Poseidon ohne Dreizack? Requisiten vervollständigen das Bild auf der Bühne und zeigen, wo sich die Szene gerade abspielt. Seile ermöglichen der Mannschaft die Arbeit auf dem Schiff. Das Schiff des Odysseus wird durch den Bug symbolisiert. Penelopes List erfordert einen Webstuhl. Trojaner und Griechen bauchen Schilde und Waffen und wie war nochmal die Sache mit dem Pferd?
Für mehr Abwechslung und lebendige Szenenwechsel sorgen Podeste. Die Bühne wird zum dreidimensionalen Raum, der mehrere Orte gleichzeitig fassen kann. Licht und Bühnenbild verschmelzen zu einer Einheit und lotsen uns zusammen mit den Darstellerinnen und Darstellern, Musik, Kostümen und Maske in Homers Epos rund um den Helden Odysseus.
4 Wochen bis zum Auftritt
Bis alles steht, bleiben dem Team noch vier Wochen Zeit. Voraussichtlich bis zur letzten Minute wird an den letzten Feinheiten gefeilt. Auch wenn bereits jetzt 95% der Arbeit erledigt ist, kommt jetzt die Zeit des Feintunings, damit am 25. April „Odysseus – das Musical“ genau so auf der Bühne erscheinen wird, wie es die vielen Wochen und Monate bereits in unseren Köpfen gespielt hat.