Wie geht es weiter mit „Odysseus – das Musical“?

Nach der Reise ist vor der Reise

Im Moment ist es etwas ruhiger geworden um „Odysseus – das Musical“. Zumindest auf der Bühne.

Nach unserer letzten Aufführung wurden Kostüme und Requisiten erst einmal sorgfältig verpackt und eingelagert. Poseidons Dreizack hat Pause, die Schwerter der Griechen und Trojaner ruhen friedlich nebeneinander und auch unsere Nähmaschinen dürfen sich ein wenig erholen.


Und wir? Wir haben uns ebenfalls eine kleine Verschnaufpause gegönnt.

Schließlich liegen intensive Monate hinter uns: Proben, Aufführungen, Kostümwechsel, Choreografien, Umbauten, Aufregung, Applaus – und unglaublich viele Eindrücke und Erfahrungen.

Doch inzwischen sind wir längst wieder bei der Arbeit.


Zurück an den Schreibtisch

Nach unserer ersten großen Aufführungs- und Entwicklungsetappe haben wir noch einmal unser Material gesichtet. Denn genau das war ein wichtiger Teil unseres Fully Staged Development: „Odysseus – das Musical“ nicht nur im Probenraum zu entwickeln, sondern vollständig inszeniert auf die Bühne zu bringen, vor Publikum zu erproben und aus diesen Erfahrungen zu lernen.

Was hat besonders gut funktioniert? Wo können wir den Spannungsbogen mit kleinen Anpassungen noch verstärken? Wo braucht eine Szene vielleicht etwas mehr Tempo, wo einen Moment mehr Ruhe? Welche Übergänge lassen sich noch präziser gestalten?

Dabei geht es inzwischen oft gar nicht mehr um große Veränderungen. Es sind die kleinen Dinge, die ein bereits funktionierendes Stück noch besser machen können.

Und manchmal schreibt sogar die Bühne selbst am Musical mit.

Während der Proben und Aufführungen entstanden einige kleine Witze und spontane Momente, die ursprünglich gar nicht im Skript standen. Manche davon funktionierten so gut und gefielen uns und dem Publikum so sehr, dass wir beschlossen haben: Die dürfen bleiben.

Sie haben inzwischen einen festen Platz im Skript bekommen.


Eine ziemlich lange Reise

Wenn wir heute an „Odysseus – das Musical“ arbeiten, macht uns eines besonders stolz: Wir beschäftigen uns nicht erst seit dem aktuellen Antike-Trend mit diesem Stoff.

Die Idee zu unserem Musical reicht bis ins Jahr 2011 zurück, seit 2017 wird konkret daran gearbeitet. Seit 2020 arbeiten wir als festes Kreativteam gemeinsam an der Umsetzung: Michaela an Skript und Dramaturgie, Eva an den Songtexten und Minas an der Musik.

Viele Jahre haben wir uns mit Homer, seinen Figuren und der griechischen Mythologie beschäftigt. Wir haben geschrieben, komponiert, verworfen, neu geschrieben, diskutiert und recherchiert – und schließlich den Schritt vom Papier in den Probenraum und auf die Bühne gemacht.

Dass Odysseus ausgerechnet jetzt wieder verstärkt durch die internationale Kulturwelt reist, beobachten wir deshalb mit besonderem Interesse.


Plötzlich überall Odysseus

Da ist zum Beispiel „EPIC: The Musical“ von Jorge Rivera-Herrans, das seit 2022 mit seiner ganz eigenen Interpretation der Odyssee international ein riesiges Publikum erreicht. Sein Ansatz unterscheidet sich deutlich von unserem: modern, vollständig durchgesungen und unter anderem von Videospielen und Anime inspiriert.

Unser „Odysseus“ geht einen anderen Weg. Unsere musikalische Welt ist stärker in Griechenland verwurzelt – nicht zuletzt durch unseren griechischen Komponisten Minas Koutzampasopoulos und die griechischen Musikelemente, die sich durch das Stück ziehen. Gleichzeitig verbinden wir diese Wurzeln mit der musikalischen und dramaturgischen Sprache eines modernen Musicals.


Antike und Popcorn? Und dann kam 2026 auch noch Christopher Nolans „The Odyssey“ auf die Kinoleinwand. Natürlich haben wir uns den Film mit großem Interesse angesehen.

Auch darüber hinaus begegnet uns die Odyssee derzeit an erstaunlich vielen Stellen: in Lesungen und musikalischen Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerten und unterschiedlichsten künstlerischen Projekten.

Offenbar ist Odysseus wieder einmal unterwegs, diesmal im 21. Jahrhundert.


Was würde Homer wohl dazu sagen?

Das Spannende daran: Alle beschäftigen sich mit derselben, fast 3.000 Jahre alten Geschichte – und trotzdem entstehen vollkommen unterschiedliche Welten.

Natürlich gibt es Parallelen. Schließlich begegnen wir alle irgendwann Poseidon, Circe, dem Zyklopen oder den Sirenen. Penelope wartet noch immer auf Ithaka und Odysseus möchte noch immer nach Hause.

Aber wie diese Figuren aussehen, was sie antreibt, wie ernst oder humorvoll einzelne Situationen erzählt werden und welche Schwerpunkte gesetzt werden – darin geht jeder seinen eigenen Weg.

Homer können wir leider nicht mehr fragen, was er von all diesen Interpretationen hält.

Uns bleibt deshalb nur, seinen Stoff nach bestem Wissen und Gewissen in unsere Zeit zu übersetzen – mit Respekt vor dem Mythos, aber auch mit der künstlerischen Freiheit, die eine Geschichte braucht, wenn sie nach fast drei Jahrtausenden noch immer lebendig sein soll.

Wobei: Ein Klassentreffen all der aktuellen Odysseus-Interpretationen wäre durchaus interessant. Poseidon dürfte vermutlich den Vorsitz übernehmen, oder doch lieber Circe?


Was kommt als Nächstes?

Nach unserer ersten Aufführungsetappe wissen wir heute viel mehr über unser Musical als noch vor der Weltpremiere.

Wir wissen, wie das Stück auf der Bühne funktioniert. Wir haben erlebt, welche Szenen das Publikum zum Lachen bringen, wann es ganz still im Saal wird und welche Songs und Figuren besonders im Gedächtnis bleiben. Vor allem haben uns die unglaublich vielen positiven Rückmeldungen nach den Aufführungen darin bestärkt, den nächsten Schritt zu gehen.

Aus einer Idee ist ein vollständiges Musical geworden. Aus dem Musical eine Inszenierung. Und aus der Inszenierung ein Stück, das sich unter realen Bedingungen und vor Publikum bewähren und weiterentwickeln konnte.


Jetzt soll die Bühne größer werden.


Deshalb bereiten wir derzeit die nächste Etappe unserer Reise vor. Wir möchten mit Theatern und Partnern ins Gespräch kommen, die gemeinsam mit uns das Potenzial von „Odysseus – das Musical“ weiter entfalten und das Stück auf größere, etablierte Bühnen bringen möchten.

Wir bringen dafür nicht nur ein Skript und 22 Songs mit. Wir bringen ein vollständig entwickeltes und auf der Bühne erprobtes Musical mit – mit einer eigenen musikalischen und visuellen Handschrift, ausgearbeiteten Charakteren und einer Geschichte, von der wir inzwischen aus eigener Erfahrung wissen, dass sie ein heutiges Publikum erreichen und begeistern kann.


Der aktuelle Antike-Trend freut uns dabei natürlich sehr. Vor allem zeigt er aber etwas, das uns schon vor vielen Jahren fasziniert hat: Diese Geschichten sind alt – aber ganz offensichtlich noch lange nicht auserzählt.

Wir möchten zeigen, wie groß, emotional, humorvoll und lebendig die griechische Antike auf einer Musicalbühne sein kann.

Odysseus ist schließlich auch nicht nach seiner ersten Etappe stehen geblieben.

Und wir haben das ebenfalls nicht vor.

Die Reise geht weiter.